Pressemitteilung zum Rektorbesuch
Liebe Medienschaffende,
Rektor Fischer fand sich heute um 18.15 Uhr in der Plenumssitzung des besetzten Hörsaals ein. Der Saal war mit gut 300 Personen gefüllt. Wir lasen ihm folgenden Text vor:
“Lieber Herr Fischer,
am letzten Dienstag beteiligten sich gegen 500 Studierende am Protesttag „education is not for sale!“. Ausgehend von dieser internationalen Protestbewegung hat sich gezeigt, dass auch in Zürich ein Bedürfnis besteht, dem Unmut hinsichtlich der gegenwärtigen bildungspolitischen Entwicklung Luft zu verschaffen. Im Verlauf der Diskussion hat sich gezeigt, dass es nicht möglich ist an einem Abend die Problematik zu erfassen. Es ist Raum und Zeit nötig. So beschloss das Plenum sich spontan für die Besetzung des grössten Hörsaals der Universität Zürich. Ein zentraler offener Ort für die Reflektion über Bildung bestand bis dahin nicht. Viele machten die Faust im Sack und jede und jeder kämpfte als Einzelner mit den Problemen der aktuellen Bildungssituation. Mit der Besetzung wollen wir einen Raum öffnen, wo ein gemeinsamer Protest möglich wird. Hochschulangehörige aus verschiedensten Situationen fanden zusammen und brachten sich ein. Während sich für die StuRa-Wahlen nur sehr wenige interessieren, fand im Rahmen der Besetzung eine aktive Partizipation hunderter Hochschulangehöriger statt. Wir haben uns bisher in Diskussionen, mit diversen Vorträgen, und in Arbeitsgruppen mit verschiedenen Inputs auseinandergesetzt und einigten uns dabei auf folgende Punkte:
-Wir fordern mehr Geld für die Bildung! Die geplanten Einsparungen des Kantons müssen verhindert werden!
-Wir fordern, dass privatwirtschaftliche Interessen keine Macht in der Bildung und öffentlichen Forschung ausüben können!
-Wir fordern die Abschaffung der Anwesenheitspflicht!
-Wir fordern die Abschaffung prekärer Arbeitsverhältnisse an der Universität und überall!
-Wir solidarisieren uns mit allen von der Ökonomisierung und Sparmassnahmen betroffenen Angestellten, Lernenden und Lehrenden!
Diese Forderungen wurden vom Plenum (Entscheidungsinstanz) verabschiedet. Es sind jedoch noch viele Forderungen in Bearbeitung und werden zu gegebener Zeit veröffentlicht.
Wir freuen uns über einen Dialog bezüglich dieser Forderungen und laden Sie deshalb gerne ein, mit uns am Montag um 18 Uhr ein Gespräch zu führen.
Während der nächsten Woche wird weiter in den Arbeitsgruppen diskutiert. Während wir die Diskussionen in den Arbeitsgruppen weiterführen, steht schon folgendes Programm für nächste Woche:
Unter anderen:
Kurt Imhof (Prof. für Soziologe, Zürich)
Franz Schultheiss (Prof. für Soziologie, Universität St. Gallen)
Kurt Wyss (Soziologe, Zürich)
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Rektor Fischer wurde darauf das Wort übergeben.
Er freute sich über die Gelegenheit hier zu sprechen und auch darüber, endlich zu wissen was wir wollen.
Er merkte an, dass die studentische Mitarbeit seit 7 Jahren im Unibetrieb verankert sei.
Er nahm zu jedem einzelnen Punkt unserer Forderungen Stellung:
-Er teilt unsere Forderung nach mehr Geld, die Unileitung habe sich dafür eingesetzt. Seit dem Jahr 2000 stehen 25% mehr Unibudget zu Verfügung. „Wir setzen uns weiterhin mit voller Kraft dafür ein, dass die Bildung in diesem Kanton weiterhin vernünftig finanziert ist.“ Der Kanton sollte nur die Mittel ausgeben, die er hat. „Es kommen magerere Jahre. Der Kanton sollte nicht mehr Geld ausgeben, als er hat.“
Er rief uns auf: “Besetzt das Rathaus, ich kann euch die Adresse geben!”
-„Mehr als 90% des Unibudgets sind öffentliche Gelder.“ „Es gibt einige Stiftungsprofessuren“, „Die Privatwirtschaftlichen Interessen an der Uni sind auf jeden Fall kein Problem.“
-Abschaffung der Präsenzpflicht: „Meine Damen und Herren, das ist eine Kleinigkeit.“, „Ich kann mich als Rektor nicht in die einzelnen Fächer einmischen.“, “Wenn das mein einziges Problem wäre, wäre ich ein glücklicher Mann”
-Prekäre Arbeitsverhältnisse: „Diese Forderung ist für mich irrelevant. Und wenn ich sie von irgendwem hören möchte, dann nicht von Studierenden.“, “An der Uni sind ca. 7000 Personen zu fairen und nach kantonalen Richtlinien angestellt.” “Ich habe keinen Einfluss auf die Verhältnisse in Bangladesch”
-”Diese Solidarisierung nehme ich zur Kenntnis, dazu habe ich nichts zu sagen.”
Des Weiteren bekundete er Interesse an einem weiteren Treffen, auch in Diskussionsform: „Ich bin bereit, nochmal mit ihnen zu reden.“
Zudem erklärte er: „Ich erwarte, dass der Lehrbetrieb in diesem Raum in kürzester Zeit wieder aufgenommen werden kann. Ich hoffe, ich habe mich einigermassen klar ausgedrückt.“
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Zur Zeit referiert wie geplant Prof. Dr. Alex Demirovic in dem besetzten Hörsaal. Danach wird eine weitere Plenumssitzung stattfinden.
Soweit der Stand der Dinge.
Freundliche Grüsse
Unsere Uni

“Im Verlauf der Diskussion hat sich gezeigt, dass es nicht möglich ist an einem Abend die Problematik zu erfassen. Es ist Raum und Zeit nötig. So beschloss das Plenum sich spontan für die Besetzung des grössten Hörsaals der Universität Zürich.”
So ein Schwachsinn. Es war bereits letzte Woche klar, dass am Dienstag die Uni besetzt werden wird. Ungeachtet dessen, ob es nun legitim ist oder nicht, sich Raum für Austausch zu schaffen, zeugen solch verzerrte Darstellungen von einer überaus idealisierten Selsbtdarstellung. Warum nicht einfach sagen, wie es ist…
Comment by Mr.Willis — 20. November 2009 @ 20:34
@ Mr. Wills
Also ich sag wie es ist:
Der Protesttag am Dienstag 17. nov. war von der UnivonUnten (UvU) organisiert. Wenn du danach im Plenum gewesen wärst, hättest du bemerken können, dass sich die Mitglieder der UvU neutral Verhalten haben. Der Wille, zu besetzen, kam von den knapp 600 StudentInnen die da waren.
Comment by Zuerich — 20. November 2009 @ 21:12
Komm schon, wem wollen wir was vormachen? Klar war es “neutral”, die Besetzung war aber trotzdem schon seit letzter Woche absehbar. Ich hab das ja auch nicht wertend gemeint. Ich frag mich einfach, warum man nicht dazu stehen kann und alles so idealisieren muss. Die Anliegen verlieren deswegen ja nicht an Legiitmität oder Dringlichkeit.
Ach ja, ganz vergessen: tut mir leid, war ich nicht da. Ich hab vergessen, dass Meinungsbildung, Mitspracherecht und Kritik seit der Besetzung in Basel nur noch über Teilnahme am Plenum geschieht. Könnte man jetzt aber auch gaaaaanz bizeli spitz Fragen: was diskutieren Nicht-StudentInnen über universitäre Probleme mit? Die dürfen doch gemäss solcher Logik gar nicht wissen, was da so geht. Aber lassen wir das jetzt. Hab keinen Bock auf diese ganze “wer nicht bedingungslos mit uns ist ist automatisch gegen uns” Sache.
Comment by Mr.Willis — 20. November 2009 @ 23:02
ich finde ihr macht einen super job. und je mehr ihr diese webseite benutzt, desto mehr ist auch klar ersichtlich was ihr tut. bitte weiterhin, eine hoch frequentierte aktuallisierung mit vielen details. hut ab und respect. weiter so.
Comment by besser — 21. November 2009 @ 01:41
Die Aussage “Ich habe keinen Einfluss auf die Verhältnisse in Bangladesch” ist so nicht ganz richtig, Herr Rektor.
Comment by Shaheed Minar aus Dhaka — 21. November 2009 @ 03:42
Der Weihnachtsmann ist ja zur Zeit der Besetzung in Basel aufgrund geschäftlicher Dinge vor Ort gewesen und stellt fest, dass Zürich offenbar in der Entwicklung etwas weiter ist. Zumindest klingt die Berichterstattung von unsereuniZh wesentlich sachlicher.
Mein Tipp (geht wohl in die selbe Richtung, wie mein Kollege aus Die Hard die schon andeutete) bildet ein Comité, der basisdemokratische Plenumsscheiss funktioniert nicht. Wenn Ihr ein Haufen Studierender aus dem eher linken politischen Spektrum seid, ist ja nicht schlimm, aber steht dazu! Gründet meinetwegen einen Verein oder Club, aber wählt ein paar verhandlungsfähige Personen, die das Plenum mandadiert unsereuni zu vertreten. Aber seid gewarnt davor, das zu tun, was sie in Basel tun: Zu meinen, sie würden alle Studierenden vertreten und entsprechend arrogant aufzutreten, ohne je einen Verantwortlichen oder auch nur eine Ansprechperson zu definiert zu haben.
Liebe Grüsse aus dem Schwarzwald
Der Weihnachtsmann
Comment by Weihnachtsmann — 21. November 2009 @ 08:35
@ mr.willis… sorry, aber ob absehbar oder nicht und ob plenum oder nicht, ist absolut unwichtig! ich freue mich dass du dich aber trotz allem einbringst und du die relevanz der thematik bewusst scheinst…
auch der punkt von wegen wer nicht mit uns, ist… ich kann mich auch nicht allen punkten anschliessen weder in basel, zürich noch sonstwo, nur wenn du mal an einer plenumsdiskusion warst, wüsstest du, dass nie und damit meine ich nie(!) eine absolute übereinstimmung aller beteiligten da ist.
zu den äusserungen des rektors kann ich nur sagen, die sind retorisch sehr geschickt und gefährlich… doch seine worte zu den ARBEITSVERHÄLTNISSEN sind einfach inakzeptabel! es kann doch nicht sein, dass ein (angeblich) gebildeter mensch die schweiz mit bangladesch vergleicht! und es gehe in einen scheiss an (irrelevant) und schon gar nicht von studierenden, zeugt einerseits von dummheit anderseits von ignoranz.
solidarische grüsse
Comment by hierundheute — 21. November 2009 @ 08:38
Die Aussage “Ich habe keinen Einfluss auf die Verhältnisse in Bangladesch” ist so nicht ganz korrekt, Herr Rektor!
Comment by Shaheed Minar aus Dhaka — 21. November 2009 @ 11:17
@hierundheute. Ich war an sehr vielen Plenumsdiskussionen dabei. Eine klare Übereinstimmung nein, aber eine gemeinsame Verabschiedung eines gewissen Konsens.
Comment by Mr.Willis — 21. November 2009 @ 13:46
Zudem erklärte er: „Ich erwarte, dass der Lehrbetrieb in diesem Raum in kürzester Zeit wieder aufgenommen werden kann. Ich hoffe, ich habe mich einigermassen klar ausgedrückt.“
Im Ernst jetzt? “Ich hoffe, ich habe mich einigermassen klar ausgedrückt.” ? Ist schwer, das nicht als Drohung zu verstehen.
Comment by Reclaimer — 21. November 2009 @ 14:51
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