Communiqué der BesetzerInnen der Uni Bern

Filed under: Bern — Schlagwörter: — Bern @ 19. November 2009

In der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung werden alle Bereiche des Lebens zunehmend ökonomischen Zwängen ausgesetzt. Der Produktivitätsdruck zeigt sich vor allem in der Arbeitswelt. Die geplante Revision des Arbeitslosengesetztes ist ein aktuelles Beispiel dieses gesellschaftlichen Prozesses. Sie beinhaltet Zwang zu mehr Leistung unabhängig von Fähigkeiten und äusseren Bedingungen und führt den kontinuierlichen Sozialabbau fort. Unter dieser Entwicklung leiden auch unser Bildungssystem und wir Studierende.

Die Besetzenden der Aula der Uni Bern sind sich darin einig, dass der gegenwärtige Trend umgekehrt werden muss. Statt Ökonomisierung und Verschulung fordern wir eine freie Bildung und eine demokratische Uni. Veränderungen sind in verschiedenen Bereichen nötig, nicht nur in der Unigesetzgebung und deren Organisation, sondern auch im alltäglichen Unibetrieb.

Wir fordern freie Bildung für alle:

Erarbeitung von Teilzeitstudienplänen.

Stipendienrevision (gesamtschweizerische Harmonisierung, Erhöhung: Deckung der Lebenskosten).

Keine Zulassungsbeschränkungen, weder offen (wie der Numerus Clausus), noch versteckt.

Weniger Pflichtveranstaltungen -> Mehr Wahlmöglichkeiten.

Wir fordern eine demokratische Universität:

Paritätische Mitbestimmung von ALLEN auf ALLEN Ebenen (Studierende, aber auch Mittelbau/ Sekretariate/ Putzpersonal etc.)

Der Senat bleibt das oberste Organ der Universität.

Freier Informationsfluss (Keine Geheimhaltungspflicht von VertreterInnen gegenüber den von ihnen Vertretenen)

Transparenz bei der Geldverteilung an Fakultäten und Institute.

Öffentliche Stellenausschreibung und Transparenz bei der Stellenbesetzung auf allen Stufen

Wir kämpfen gegen die Ökonomisierung der Bildung:

Kein Unibeirat!

Keine Studienzeitbeschränkungen

Erhaltung und Ausbau der Diversität von Lehre und Forschung

Fairness bei der Geldverteilung an Fakultäten und Institute

Mehr öffentliche Mittel für die Bildung

Keine Fokussierung auf marktgerechte Ausbildung

Keine Ausrichtung auf Exzellenz

Reintegration der „geoutsourcten“ Teile der Uni (Putzpersonal, Mensen etc.)

Wir kämpfen gegen die Verschulung und daher für:

Klar kommunizierte Bewertungskriterien (Transparenz der Anforderungen, Bewertungen und detaillierte Rückmeldungen)

Grössere Mobilität zwischen Fakultäten, Unis in der Schweiz und weltweit

Freie Fächerkombination (Keine Pflichtmonofächer und Pflichtnebenfächer)

Abschaffung der Präsenzpflicht

Die durch die Besetzung der Aula geschaffene Plattform soll dazu dienen, die festgelegten Forderungen weiter zu diskutieren zu konkretisieren und umzusetzen. Wir laden alle Beteiligten ein, an der Diskussion über die Umsetzung dieser Punkte teilzunehmen.

SOLIDARITÄT MIT ALLEN STUDIERENDENPROTESTEN.

18 Kommentare »

  1. Grossartige Arbeit; wer sich nicht bewegt, bewegt nichts! Solidarität mit sämtlichen Studierendenprotesten!

    Comment by Rodion Raskolnikov — 19. November 2009 @ 03:09

  2. Klingt doch schon mal um einiges vernünftiger und differenzierter als in Basel…

    Comment by bluesky — 19. November 2009 @ 14:55

  3. Macht weiter so, ich komm morgen wieder vorbei.

    Comment by Danielle — 19. November 2009 @ 23:29

  4. Liebe Studenten.
    Falls ihr es noch nicht gemerkt habt, das Leben ist kein “Güetzi”.
    Aber ich als ganz normaler 10 Stunden Arbeiter (PS: Pro Tag nicht pro Woche) kann ja das nicht verstehen, wenn ich in meinem Büro hocke.
    Stellt euch vor, ich kann weder jeden Abend in den Ausgang noch bin ich im Sommer jemals während den Bürozeiten im Marzili anzutreffen.
    Aber trotzdem habe ich noch nie mein Büro besetzt.
    Und mit meinen 5 Wochen Ferien bin ich ja ganz klar besser dran, ihr habt ja keine. Nur studienfreie Zeit.

    Euer bester Punkt finde ich ja immer noch:
    Abschaffung der Präsenzpflicht *lach*
    Ich gehe Morgen zu meinem Chef und sage ihm ich will auch nur noch arbeiten wann ich will… Kommt wieder in die Gegenwart, wir leben in einer Leistungsgesellschaft.

    Comment by Probscht — 19. November 2009 @ 23:41

  5. die idee des “teilzeit-studiums” finde ich super! gerade in der schweiz, wo aus ideolgischen gründen einer mutter (und in einer wohl weit entfernten zukunft auch einem vater) praktisch übermenschliche kräfte abverlangt werden während sie ökonomisch/bildungstechnisch schlecht dasteht, ist ein solches angebot mehr als überfällig!

    Comment by Annina — 20. November 2009 @ 01:00

  6. Lieber Probst
    Du machst mich wütend mit deinem Kommentar, es denken immer alle wir StudentInnen hätten unbegrenzt Zeit.

    Meine Zahnmedizin-KollegInnen sind von Morgens um 8 Uhr bis Abends zwischen 18 und 21, teilweise 23 Uhr an der Uni. Nein, nicht zum protestieren, zum arbeiten. Dafür bekommen sie nicht wie du einen Lohn, sondern 1’000.- Stipendien im Monat, ausser sie haben das Glück reicher Eltern. Dass das nicht zum Leben reicht ist offensichtlich, also ein Nebenjob. Doch wann? von 6 bis 8 am Morgen?

    Für uns Humanmediziner sieht es dank dem Engagement einiger Profs für ein PBL Studium bis ins 3.Jahr besser aus, nur im 4. sollten wir wieder Vollzeit präsent sein.

    Wegen der Präsenzzeit – wir machen unser Studium freiwillig, wir bekommen (noch;)) im Gegensatz zu dir keinen Lohn für das was wir tun. Also soll es auch jedeR/M offenstehen, nur die Veranstaltungen zu besuchen, die etwas bringen.

    Und zu guter Letzt – wenn du das Studentenleben für so viel leichter als deines hältst, wir kämpfen unter anderem dafür, die Uni für alle offen zu machen – seist willkommen in den Vorlesungen.

    Übrigens – wenn du dein Büro doch besetzten willst findest du hier Infos: http://www.unia.ch/

    An alle anderen – weiter so :)

    Comment by Medizinstudentin — 20. November 2009 @ 10:08

  7. @Probscht: Schon interessant, wieviel Du schreiben muss, um auszudrücken, dass Du nix begriffen hast.
    Übrigens: Ich bin Student und arbeite weit mehr als 10h pro Tag (6 davon um mein Studium zu finanzieren) und zwar auch am Wochenende.
    Also: Sich erst mal informieren, dann mitreden.

    Comment by tom — 20. November 2009 @ 10:21

  8. @ probscht
    der zukuenftige suk-praesi fordert ebenso die abschaffung der praesenzkontrolle. warum? bologna-reform verunmoeglicht teilweise nebenjob umd studium, elterliche verpflichtung und studium etc. da man vorlesungem besuchen muss (obwohl der dozent oft nur das skript vorliest). ausserdem geht man davon aus, dass an der uni muendige personen sind, man sollte also auf eigenverantwortung setzen.

    Comment by l n — 20. November 2009 @ 10:45

  9. Weiter fordern wir:
    - Den Weltfrieden (sofort)
    - Sofortige Reduktion des CO2 Ausstosses auf 0,00 % des Standes von 2009
    - Geld & Wohlstand & Nahrung für alle
    - Abschaffung der Dunkelheit während der Nacht, da dies die persönliche Freiheit einschränkt
    - Meistertitel für YB

    Comment by Housi — 20. November 2009 @ 12:08

  10. wenn ihr es ernst meint bleibt ihr auch über das wochenende in der aula!!! alles andere wäre einfach nur lächerlich. würde die besetzung am freitag beendet heisst das nichts anderes als dass alle die die besetzung als “happening”, als demo um der demo willen bezeichnet haben recht haben. während der woche ein bisschen aufruhr machen und revoltieren und dann am wochenende wo man doch sonst so viel gute sachen machen kann lieber nicht blöd in der uni hocken und nix tun…
    konsequent sein oder abfahren und nie mehr was sagen!

    Comment by ein Student — 20. November 2009 @ 12:37

  11. Wenn man einen Stein in die Menge wirft schreien immer die Getroffenen…

    Mein Beitrag von letzter Nacht haben wohl nicht ganz alle richtig verstanden. Ich möchte nicht alle Studenten beleidigen, auch ich weiss dass einige von euch verdammt hart arbeiten. Einige meiner Kollegen sind ebenfalls Studenten. Aber es scheint als gebe es wesentliche Unterschiede, die einen Arbeiten Tag und Nacht während andere so leben wie in meinem ersten Beitrag beschrieben.
    So wie ich die meisten Menschen einschätze ist ein grosser Teil der Studenten die die Uni besetzen von denen die es leicht haben.

    PS @ Medizinstudentin: Du erwähnst die 1000.- Fr. Stipendium… Ich verdiene während meiner Ausbildung weniger und es reicht zum Leben, es sagt ja niemand dass alle Studenten zwingend in Bern in einer WG Leben müssen – auch ich kann mir weder Auto noch eigene Wohnung leisten. Bis ich ausgelernt bin – was bei den Studenten im normallfall ja auch so ist.

    Also nehmt meinen ersten Beitrag etwas mit Humor.

    schönes Wochenende – bin gespannt ob ihr die Besetzung auch Samstag, Sonntag durchzieht!

    Comment by Probscht — 20. November 2009 @ 15:44

  12. Salü Probscht
    Wie kannst du wissen, dass die StudentInnen die die Uni besetzten es leichter haben als die anderen? Hast du eine Umfrage gemacht? Komm doch vorbei heute abend und rede mit den Leuten – viele deiner Vorurteile werden sich klären…

    Und dein Budget würde mich sehr interessieren, 500.- Zimmer + 200.- Krankenkasse + ca 100.- Studiengebühren gibt schon 800.- , ohne Essen, Kleider, Bücher…
    Nein man muss nicht unbedingt in einer Wg leben, man kann ja auch zb ins Tessin pendeln oder nach Chur…
    (für weitere infos: http://www.sbb.ch)

    Comment by Medizinstudentin — 20. November 2009 @ 16:47

  13. Wieso wurde eigentlich nicht das Soziologieinstitut besetzt? Es gäbe nämich auch solche Studenten, die, grosse Überraschung, hier sind um zu studieren…
    Es aber nicht können weil ihr Hörsaal von Hängematten besetzt wurde.

    Drum morgen: Alle Jusstudenten, Besetzung des Soziinstitutes!!!

    PS: Wo genau ist das?

    Comment by Jusstudent — 23. November 2009 @ 09:48

  14. Hallo Jusstudent
    Kennen eure Studienbedingungen recht genau! Es ist kaum zu glauben, aber ihr seid der beste Beweis dafür, dass ein Studium nicht als Kindergarten organisiert sein muss. Ihr wisst eben, wie man die Bologna-Regeln zum eigenen Vorteil auslegen kann. ;) Gut so!! Die anderen Fakultäten sollten sich an euch ein Vorbild nehmen.
    Verständnisvoller Gruss!

    Comment by happyporc — 23. November 2009 @ 11:39

  15. Hallo happyorc

    Mein Post war nicht nur Witz. Seit einer Woche haben wir keine regulären Vorlesungen mehr. Für was zahlen wir Studiengebühren, wenn das Rektorat uns keine Vorlesungen bieten kann?
    So wird das Studium für 300 Studenten unmöglich.
    Ist das das Ziel, der Besetzung?

    Comment by Jusstudent — 23. November 2009 @ 19:43

  16. @ Jusstudent: Nein, das war nicht das Ziel, sondern eine unerwünschte Nebenwirkung. Mit etwas Phantasie und sehr kleinem Aufwand hätte man allerdings während einer Woche auch Internet-Vorlesungen anbieten können. Wäre auch ein aktiver Beitrag gewesen, etwas gegen die Schweinegrippe zu tun. Nun hat das Rektorat zwar nichts gegen die Verbreitung der Grippe unternommen, dafür aber gezielt die Uneinigkeit zwischen den Studierenden gefördert. Diese Strategie ist aufgegangen. Freu dich!?

    Comment by happyporc — 24. November 2009 @ 10:58

  17. @ Happyorc, Ich wollte hier nicht einseitig Kritik üben. Wir haben auch dem Rektorat eine Mail geschrieben, in dem wir unseren “Unmut” kundgegeben haben. Mit ein bisschen Innovation, oder Organisation, hätte man uns sicherlich einen anderen Hörsaal anbieten können.
    Aber ich sehe dein Argument. Abzuwarten bis sich die Studenten gegenseitig zerfleischen ist sicherlich mit weniger Aufwand verbunden.

    PS: Wenn das Rektorat etwas gegen die Schweinegrippe unternehmen wollte, hätten sie als aller erstes die Besetzung auflösen müssen. :)

    Comment by Jusstudent — 24. November 2009 @ 12:13

  18. ist ja auch nicht alles falsch an der bologna-reform. und ein bisschen rationalisieren, ein bisschen synergien, effizienz, wer sagt da schon “falsch” oder “dumm”. aber schade, dass beides falsch läuft. warum?
    nehmen wir, per zufall, mein beispiel raus. ich beginne 2007 soziologie in bern. einführungsstudium: 550 studis in einer schlachthalle. überstanden, sieg, passt.
    dann: soziologie wird abgebaut in bern. kaum noch vorlesungen, proseminare im angebot; ein paar seminare, das’ schon alles. SO MUSS MAN WOLLEN, WAS ES ZU STUDIEREN GIBT, UND KANN NICHT STUDIEREN, WAS MAN WOLLTE. das ist rationalisierung?
    dann sagstu natürlich, vielleicht uni wechseln, hast ja ein ziel. dank bologna problemlos, denkstu. schaust unibasel: super angebot soziologie. aber dann sagen sie dir, na, das’ schwierig, weil da kanstu dir vieles nicht anrechnen, was du in bern bestanden hast. das ist bologna?
    und das geld. STIPENDIEN SIND AUF PUMP, und die maximalstipendien von meinem kanton reichen NICHT MAL GANZ FÜR FIXKOSTEN decken. und weil studium jetzt dank bologna echt vollgas, 40-50 stunden die woche, hast keine zeit zum arbeiten, ausser bist genie. ich bins nicht, ich schlage angebote aus für 640 franken pro tag. sage, schauen wir vielleicht dezember, januar, habe jetzt keine zeit. ist ja witzig.
    will die schweiz studenten? wenn ja, dann bitte fair. wenn nein, dann sagt es bitte, und wir gehen von anfang an ins ausland.

    Comment by blasphemius — 25. November 2009 @ 20:25

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